Ein Junger fragte den Alten: "Was unterscheidet dich, der fast schon war, von mir, der ich noch werde?"
Der Alte sagte: "Ich bin mehr gewesen."
Zwar scheint ein junger Tag, der kommt, mehr als der alte, weil der
alte vor ihm schon gewesen. Doch kann auch er, obwohl er kommt, nur
sein, was er schon war, und er wird mehr, je mehr auch er gewesen.
Wie einst der Alte, steigt auch er am Anfang steil zum Mittag auf,
erreicht noch vor der vollen Hitze den Zenit und bleibt, so scheint es,
eine Zeit lang auf der Höhe, bis er, je später desto mehr, als ziehe
ihn sein wachsendes Gewicht, sich tief zum Abend neigt, und er wird
ganz, wenn er, so wie der Alte, ganz gewesen.
Doch was schon war, ist nicht vorbei. Es bleibt, weil es gewesen,
wirkt, obwohl es war, und wird durch Neues nach ihm mehr. Denn wie ein
runder Tropfen aus einer Wolke, die vorüber zog, taucht, was schon
gewesen, in ein Meer, das bleibt.
Nur was nie etwas werden konnte, weil wir es nur versäumt, doch nicht
erfahren, gedacht, doch nicht getan und nur verworfen, aber nicht als
Preis für das, was wir erwählt, bezahlt, das ist vorbei: Von ihm bleibt
nichts.
Der Gott der rechten Zeit erscheint uns daher wie ein Jüngling, der
vorne ein Locke und hinten eine Glatze hat. Von vorne können wir ihn
bei der Locke fassen. Von hinten greifen wir ins Leere.
Der Junge fragte: " Was muss ich tun, damit aus mir, was du schon warst, noch wird?"
Der Alte sagte: "Sei!" -
.. aus China
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